Paul Koller
Dipl. Chemiker TW
AUS DER GESCHICHTE DER FEK DES VESLIC
Liebe Kollegen!
Ernst Hilzinger, heutiger Vorsitzender der FEK-VESLIC, hat mich sozusagen aus einer zurück schiessenden Lafette ersucht, endlich die Geschichte der FEK gemäss eines offenbar in geistiger Umnachtung anlässlich der 5O.Sitzung der FEK abgegebenen Versprechens zu Papier zu bringen. Diesem Ersuchen muss ich nun wohl oder übel nach kommen, und ich möchte dies hiermit frei von Rechtfertigungen tun. Wenn persönliche Gedanken gelegentlich durchschimmern, so mögen Bemerkungen nebelspaltend wirken: Irrtum sprach der Igel, und stieg vam Kaktus!
Vorgängerin der heutigen FEK des VESLIC:
Als ich 1947 in den erlauchten Club VESLIC offenbar in Abwesenheit gestossen wurde, galt es alsbald der damaligen Arbeitsgruppe III des VESLIC beizutreten. Diese bestand allerdings nur aus zwei unentwegten Optimisten, nämlich aus Herrn Dr. Ernst Lüscher und dem Schreibenden (Der wirkliche Wettbewerb schafft eine Unruhe, die den unaufhörlichen Entdeckungsprozess vorantreibt)
Dr. Lüscher wirkte in erster Linie als Diskussionspartner und als Lieferant kleiner Farbstoffmuster. Ich durfte für die Versuchsdurchführung zuständig sein. Die zu bearbeitenden Probleme (ein jedes Problem durchläuft bis zu seiner Anerkennung drei Stufen: in der ersten erscheint es lächerlich; in der zweiten wird es bekämpft, und in der dritten gilt es als selbstverständlich!) betrafen die Bestimmung der Lichtechtheit anilingefärbter Leder und die Auswaschbarkeit derselben beim Fettlickern. Es wurde mit dem bekannten 8-stufigen Lichtechtheitsmasstab am Tageslicht mit unterschiedlich starken Färbungen in ungelickertem und in gelickertem Zustand gearbeitet. Zur Verfügung stand ein gefalztes und neutralisiertes Chromkalbleder der S.A. de Tannerie Lausanne, die von Dr. Lüscher ausgewählten Lederfarbstoffe (Farbtöne haben den Vorteil, dass sie keinen Lärm machen), sowie normierte Klauenöl- und Rizinussölsulfonate der Firma Tanner & Co. in Frauenfeld (warum gibt man den Autos nicht Rizinussöl gegen die verstopften Strassen?).
Die recht erfolgversprechenden Versuche schliefen in der Folge ein, weil sich einerseits verschiedene Schwierigkeiten ergaben (insbesondere durch das Fehlen eines standardisierten Chromleders), anderseits wegen neuen Problembearbeitungen in der EMPA. Über Lichtechtheitsbestimmungen von gefärbtem Leder wurde übrigens an der Tagung des VESLIC am 02.12.1950 in St.Gallen aus Anlass der neuerrichteten Versuchsgerberei der Lederabteilung der EMPA berichtet (siehe DAS LEDER, 2. Jahrgang Januar 1951, Seite 19).
Nachdem mit Ausnahme der EMPA auch die Umbenennung von Arbeitsgruppen keine merkliche Aktivitätssteigerung von VESLIC-Mitgliedern hervorzuzaubern vermochte, lud der damalige Präsident des VESLIC, Prof. Dr. Alfons Engeler, am 12.12.1952 zur Gründung einer Farbechtheitskommission für Lederfärbungen ein. Meines Wissens (sein Gedächtnis schult man am besten dadurch, dass man etwas vergessen möchte) - gaben hiezu Äusserungen der Chemischen Industrie, die offenbar genug hatte von der damaligen "textilen Mentalität", dass unter der Note 4 liegende Echtheitsnoten nicht mehr akzeptabel seien (Vorurteile sterben ganz langsam, und man kann nie sicher sein, dass sie wirklich tot sind), den Anstoss.
Und nach dieser Besprechung beginnt nun mein Rückblick auf die Geschichte der FEK des VESLIC bis zu meinem altersbedingten Ausscheiden. Ich befleisse mich hiezu grösstmöglicher Objektivität (Die Erinnerung ist eine mystische Macht. Wer das, was schön war, vergisst, wirft böse. Wer das, was schlimm war, vergisst, wirft dumm) und der Kürze, wobei ich mich an die Protokolle der Sitzungen der FEK halte (wohl dem, der beim Lesen spontan einschlafen kann!):
1. Sitzung vom 16.Januar 1953 im Bahnhofbuffet Zürich:
Als Präsident wurde Dr. Josef Weibel, Leiter der Versuchsausrüsterei der EMPA St.Gallen erkoren in seiner Eigenschaft als "gewiegter Fuchs" der Textilindustrie, als Präsident der SVMT-UK Farbechtheiten (Schweizerischer Verband für Materialwissenschaft und Technologie) und als toleranter Verbindungsmann zu internationalen Verbänden. Eine gewisse Verpolitisierungstendenz schien auch für die FEK des VESLIC nützlich (Politik ist Vorsetzung des Krieges mit anderen Mitteln).
Von der Chemischen Industrie nahmen Einsitz die Herren Max Erny, Leiter der Versuchsgerberei der J.R.GEIGY AG; Dr. John Herndl, Abteilung Lederfarbstoffe und -Hilfsmittel der CIBA AG, und Dr.Ernst Lüscher, Leiter der Abteilung Lederfarbstoffe der SANDOZ AG; alle Basel. Dr. Edwin Baumann, Vicedirektor der Schuhfabriken BALLY AG in Schönenwerd nahm als Vertreter der lederverarbeitenden Industrie Einsitz in der FEK des VESLIC, und als Vertreter der Gerbereiindustrie wurden die Herren Rudolf Gimmel, Betriebsleiter der Gerberei Max Gimmel AG in Arbon und Otto Schibli; Betriebsleiter der Gerberei Hagnauer & Co AG in Aarburg, gewählt. Als Vertreter der EMPA St.Gallen wurden Prof.Dr. Werner Weber, Sektionschef der Abteilung Lederindustrie und der Schreibende delegiert, letzterer als Verbindungsglied zum Präsidenten FEK und als Protokollführer der FEK. Als offizielle Bezeichnung wurde Farbechtheitskommission des VESLIC genannt; in der Folge FEK gekürzt.
Eine generelle Übersicht gab Dr. Weibel aufgrund seiner Erfahrungen als Präsident der SVMT-UK Farbechtheit und die Vertreter der Chemischen Industrie legten den Katalog von gewünschten Richtlinien vor: Lichtechtheit - Waschechtheit - Durchfärbevermögen -Ausziehvermögen - Ausbluten im Fettlicker - Egalisiervermögen - Bügelechtheit - Formaldehydechtheit - Säureechtheit - Alkaliechtheit - Löslichkeit. Diskutiert wurden so dann Vorschläge für Standardleder. Wichtig erscheint auch die Meinung aller Teilnehmer der 1.Sitzung der FEK, dass sich die Mehrzahl der Prüf-Färbungen auf Chromleder, beschränken sollen. - Bedauert wird allgemein die Abwesenheit von Rudolf Gimmel.
wird weitergeführt
