logo




 

Die Geschichte des VESLIC

Teil 1

 Die ersten 30 Jahre VESLIC

 

AUS DEM JUBILAEUMSBERICHT ZUM 30-JAEHRIGEN BESTEHEN DES VEREINS SCHWEIZERISCHER LEDERINDUSTRIE-CHEMIKER (VESLIC)
VON

R. A. GANSSER.


Es war am 18. Mai 1919, als im Hotel "Rütli" in Luzern, also nicht auf dem Rütli, unser Verein gegründet wurde. Immerhin ein gutes Omen für lange Dauer, habe ich mir gedacht.
Ich hatte bereits am 29./30, September 1918 an der Generalversammlung des Verbandes Schweizerischer Gerbereibesitzer (V.S.G.) im Hotel Union, Luzern, den Antrag zur Gründung gestellt. Am
31. März 1919 habe ich mit dem damaligen Sekretär des V.S.G., Herrn Dr. A. Stahel) ein Rundschreiben an Firmen versandt, in welchem die Gründe aufgeführt wurden, welche die Zweckmässigkeit eines solchen Vereins darlegte, Die Hauptveranlassung zur Gründung war der Umstand, dass als Folge des ersten Weltkrieges der Internationale Verein der Lederindustrie-Chemiker (IVLIC) sich in zwei Verbände aufteilte, indem die damaligen alliierten Länder einen neuen Verband gründeten, nämlich die Society of Leather Trad.es Chemists (SLTC). Da die Schweizer vordem keinen eigenen Verband und auch keine Sektion im IVLIC bildeten, waren sie in den verschiedenen Landessektionen zerstreut und so bildete sich eine unhaltbare Situation; denn der Trennungsstrich zwischen IVLIC und ISLTC schien eher länger als kürzer zu werden.
Es war aber noch ein zweiter Grund, welcher mich zu diesem schritte bewog. Es erschien mir als eine schweizerische Pflicht, eine "Brücke" zu bauen, um eine gelegentliche Verständigung zwischen den Angehörigen der Zentralstaaten und den. Ententestaaten zu erleichtern. Sollte diese Verständigung erfolgen, so wäre dar VESLIC unter Umständen bereit gewesen, als Sektion den wiedervereinigten beiden Gesellschaften. beizutreten, Deshalb wurden die Statuten derjenigen der Internationalen Verbände angepasst und die Möglichkeit des Anschlusses an einen anderen Verband in unseren Statuten vorgesehen,
Der V.S.G. stimmte diesem Projekt zu. Schon im April 1919 hatte sich eine grössere Anzahl Einzel-Mitglieder und Firmen angemeldet.
Bereits am 19. Juli 1919 lief ein Glückwunschbrief des Vorsitzenden des IVLIC, Herrn Prof. Dr. H. Becker in Frankfurt a/M,
Erfinder des Erodins, ein. Er sagte unter anderem: "Auch Ihrem edlen Schweizervolk hat der Krieg gar manche Opfer auferlegt und wie manches Mal hatten wir Deutsche Gelegenheit, die wohlwollende Haltung der Neutralen, - an erster Stelle der Schweiz, - dankbarst zu empfinden. Auch unserm IVLIC und seinem Collegium kam diese Stellungnahme zugute und auch dafür spreche ich Ihnen und den mit Ihnen vereinten Schweizermitgliedern, soweit es an mir ist, den allerherzlichsten Dank aus ..,"
Von beiden Mächtegruppen konnten an der Vorstandsitzung vom 23. Juli 1919 in St. Gallen Glückwunschschreiben verlesen werden,
die interne Organisation des VESLIC gestaltete sich wie folgt:


Präsident:         A. Gansser, Basel, Generalsekretär der SLTC,
Vize-Präsident: H. Staerkle, Präsident des Verbandes Schweizerischer Gerbereibesitzer, (V.S.G.)
Sekretariat:       A. Stahel, Sekretär des V.S.G.,
Quästor:           A. Besson, Betriebs-Chef der Chemischen Fabrik Althaus AG., Zollikofen /Bern.



Mit dem IVLIC wurde ein zweijähriger Vertrag für Lieferung des Collegiums an unsere Mitglieder abgeschlossen; ebenfalls mit Le Cuir technique. Ein analoges Abkommen mit der SLTC für Abgabe des "Journal" kam nicht zustande (Mitteilung in der Vorstandsitzung vom 11.9,1920. Am 23. Januar 1919 fand die erste Vorstandsitzung statt und zwar in der Handelshochschule in St. Gallen.

 

Am 24. Juli 1919 zählte der Verein 29 Mitglieder,
am 31. Dezember 1920                 48 Mitglieder
am 30. Juli 1926                            54 Mitglieder



Der Mitgliedsbeitrag pro Jahr betrug Fr. 25.-- plus Fr. 5.--
Eintrittsgebühr nebst Gratislieferung des Collegiums oder Cuir
technique. Ohne Collegium Fr. 10.-- oder ohne Cuir technique Fr. 10.--.

 

Ihr derzeitiger Präsident, Herr Prof. Dr. Engeler, ist am 23. Oktober 1925 zum ordentlichen Mitglied ernannt worden.
Abermals im "Rütli" wurde in der Vorstandsitzung vom 11. September 1920 auf Antrag des Präsidenten Herr Dr. A. Kägi zum Sekretär und Kassier des VESLIC ernannt, da Herr Dr. Stahel eine anderweitige Betätigung gefunden hatte und Dr. Besson als Professor für Chemie am Technikum Winterthur ernannt wurde, Sekretariat und Kasse kamen daher in seine Hand.

Da die Zeitschrift der Ententegruppe nicht erhältlich war, wurde die Schaffung einer eigenen Rundschau beraten unter Anschluss an eine bestehende Zeitschrift, jedoch fallengelassen und die Schweizerische Lederindustrie-Zeitung in Rapperswil als offizielles Organ bestimmt.

Die Tätigkeit des VESLIC verlief in den nächsten Jahren ohne wesentliche Ereignisse. Je nach Bedarf wurden im Laufe des Jahres Vorstandsitzungen abgehalten und der Vorstand erweitert. Die Jahresversammlung wurde jeweilen mit derjenigen des V.S.G. zusammengelegt. Bereits schon im Jahre 1920 zeigte sich jedoch das Bedürfnis, eigene Mitgliederversammlungen abzuhalten und somit auf gemeinsame Vorträge mit dem V.S.G. zu verzichten.

Auf Vorschlag von Herrn Dir. Kurz wurden alljährlich sogenannte "Freie Vereinigungen" organisiert, Die erste fand am 11. September 1920 in Luzern statt. Ein oder mehrere Kurz-Vorträge in Verbindung mit einem Betriebsbesuch im Spätherbst War das übliche. Diese Veranstaltungen haben sich bis auf den heutigen Tag bewährt. Der VESLIC nahm überdies regen Anteil am internationalen Verbandsleben und wurde an alle Veranstaltungen der beiden internationalen Verbände eingeladen, denen auch meistens Folge geleistet werden konnte, sei es durch besondere Delegierte, sei es durch den Präsidenten, der 1919 - 1923 als Generalsekretär der SLTC und 1923 - 1925 als deren Präsident exufficio teilnahm. An den wissenschaftlichen Kommissionen der SLTC und des IVLIC nahm der VESLIC regen Anteil. In erster Linie war es Herr Prof. J. Jovanovits sel, von der Versuchsanstalt St. Gallen und später sein Nachfolger Prof. Dr. A. Engeler. Da man sich damals in enger Zusammenarbeit mit den internationalen Vereinen befand, ergab sich keine Notwendigkeit zu dem Ausbau eigener Studienkommissionen.

 

----wird fortgesetzt----